28. April 2026, 18.30 Uhr, Nordbahnhof Bochum

Nikolai Schühly/ Dr. Rudolf Tschirbs

Vortrag mit Filmsequenzen

„Shoah – Archiv, Film, Zeugnis. Zur dokumentarischen und fiktionalen Repräsentation des Zivilisationsbruchs“

Mit Filmsequenzen aus Lanzmanns „Shoah“, Spielbergs „Schindlers Liste“, Benignis „Das Leben ist schön“, Costa-Gavras „Der Stellvertreter“.

Lanzmanns Opus stellt dokumentarisch einzigartige Zeugnisse von Erinnerungsarbeit bereit. Dabei verzichtet er nach unserer Auffassung keineswegs auf dramaturgisch berechnete Inszenierung. Und – wider Willen – deckt er schwerpunktmäßig den nachwirkenden Antisemitismus der polnischen Zivilbevölkerung auf. Die ethisch problematischen Interviews mit niederen NS-Amtsträgern müssen denn auch durch Monologe eines auktorialen  Erzählers (Raul Hilberg) kompensiert werden.

Grundsätzlich sollen auch die Spielfilmsequenzen sich der Frage stellen:

Athenes Rat an Perseus, das schreckliche Haupt der Medusa nicht direkt anzusehen, sondern nur im Spiegelbild des blanken Schildes, deutet Sigfried Kracauer in dem Sinne, „daß wir wirkliche Gräuel nicht sehen und auch nicht sehen können, weil die Angst, die sie erregen, uns lähmt und blind macht. Und daß wir nur dann erfahren werden, wie sie aussehen, wenn wir Bilder von ihnen betrachten, die ihre wahre Erscheinung reproduzieren“. Ist mit Athenes blankem Schild die Filmleinwand gemeint, und trifft die These Kracauers zu, wenn wir Haufen gemarterter menschlicher Körper in Filmen über Konzentrationslager erblicken – und das heißt erfahren -, erlösen wir dann „das Grauenhafte aus seiner Unsichtbarkeit hinter den Schleiern von Panik und Phantasie“?

Anmeldung unter: anmeldung@initiative-nordbahnhof-bochum.de