

Befreit, aber auch frei?
Zur Situation der Displaced Persons im Ruhrgebiet
Vortrag von Sabine Krämer
Bei Kriegsende befanden sich ca. 10,8 Millionen so genannte Displaced Persons (DP) in Deutschland. Die Bezeichnung galt Menschen, die während des Krieges aus ihren Heimatländern in das Deutsche Reich verschleppt worden waren und die KZ-Haft, Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft überlebt hatten. In der kollektiven Erinnerung an die „Stunde Null“ trat das Schicksal der Zwangsverschleppten jahrzehntelang in den Hintergrund. Die Leistungen des Wiederaufbaus der deutschen Bevölkerung und die Schaffung von etwas Neuem standen in ihrem Focus. Themen, die in einer Kontinuität zur NS-Diktatur standen, wurden ausgeblendet. Die Berichterstattung der Alliierten ihrerseits schuf die Erzählung der glücklichen Befreiung der Zwangsverschleppten und der baldigen Rückkehr in ihre Heimat.
Gerade im Ruhrgebiet als industriellem Zentrum befanden sich nach Kriegsende hunderttausende ehemalige Zwangsarbeiter:innen und Kriegsgefangene. Ihre Anwesenheit belastete die katastrophale Versorgungslage in den weitgehend zerstörten Städten. Wie „glücklich“ gestaltete sich also die Situation der unterschiedlichen DP-Gruppen im Ruhrgebiet? Bot die von Zuwanderung geprägte Gesellschaft des Ruhrgebiets den DPs bessere Bedingungen? Diesen und weiteren Fragen widmet sich der Vortrag.
Der Vortrag ist Teil der Reihe „Befreit – und dann? Eine Nachlese zum Kriegsende vor 80 Jahren“ der Initiative Nordbahnhof Bochum. Anmeldung erbeten unter: anmeldung@initiative-nordbahnhof-bochum.de.