Dienstag, 20. Januar 2026, 18.30 Uhr

„Moralische Wiedergutmachung“ und die Pflicht zur Erinnerung

Vortrag von Ingrid Wölk

Ob durch die – insgesamt unzureichende – Entschädigung der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus irgendetwas „wieder gut gemacht“ werden konnte, war Thema des Vortrags im Gedenk- und Erinnerungsort Nordbahnhof am 13. Januar.

Was aber verbirgt sich hinter „moralischer Wiedergutmachung“? Etwa das, was Vertreter der Friedrich Krupp AG meinten, als sie einem durch sie geschädigten Bochumer Juden im Restitutionsverfahren einen dürftigen Vergleich als „moralische Wiedergutmachung seines allgemeinen Unglücks“ anboten?  Wohl kaum.

„Moralische Wiedergutmachung“ stand weit weniger im Fokus der Nachkriegsdebatten als die materielle. Der Begriff selbst hat sich nicht durchgesetzt. Er ist dehnbar und sicher ein ebensolches Wortungetüm wie die eigentliche „Wiedergutmachung“. Und doch wurde er von zwei überlebenden, ins Ausland emigrierten Bochumer Juden selbst ins Feld geführt, als sie von der Stadt Bochum eine Gedenktafel am Standort der am 9./10. November 1938 zerstörten Synagoge verlangten. Mitten in der Stadt gut sichtbar angebracht, sollte sie Aufmerksamkeit erregen und als eine Art „Sühnemal“ der „Erinnerung der gesamten Bochumer Bevölkerung“ dienen. Dass Widerstand gegen dieses Vorhaben ausgerechnet von Seiten des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Recklinghausen kam, erstaunt zunächst. Dieser musste überwunden werden, bevor die Tafel an einer Außenwand eines auf dem Synagogengrundstück errichteten Gebäudes an der Huestraße ihren Platz fand.
Die Referentin zeichnet den schwierigen Prozess bis zur Einweihung der Gedenktafel am 10. November 1968, genau 30 Jahre nach dem Pogrom, nach. Sie fragt nach dem innerjüdischen Konflikt um die Tafel und die mit den Begriffen Gedenken-Erinnern-Andenken verbundenen Postulate. Dabei spielen auch die gefallenen Bochumer jüdischen Soldaten des Ersten Weltkriegs eine Rolle. Dass sich ausgerechnet der frühere Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß für deren Andenken stark gemacht hatte, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten.

Der Vortrag ist Teil der Reihe „Befreit – und dann? Eine Nachlese zum Kriegsende vor 80 Jahren“ der Initiative Nordbahnhof Bochum. Veranstaltungsort: Historischer Nordbahnhof, Bochum, Ostring 15. Anmeldung erbeten unter:  anmeldung@initiative-nordbahnhof-bochum.de